24.05.2016

KfW-Konjunkturkompass - Spürbare Belebung nach Atempause im Frühjahr

News der KfW Bankengruppe

Laut aktuellem Konjunkturkompass rechnet die KfW nach dem furiosen Jahresbeginn damit, dass die deutsche Wirtschaft im Frühling eine Atempause einlegt, bevor sie ab Sommer wieder eine stärkere Dynamik an den Tag legt. Für das laufende Jahr insgesamt erwartet sie wie in ihrer Vorprognose aus dem Februar einen Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,7 %.

Die weiterhin verlässlich aufwärts gerichtete deutsche Binnennachfrage werde zusammen mit etwas mehr Rückenwind von der Weltwirtschaft auch im kommenden Jahr für ein Konjunkturplus oberhalb des langjährigen Trendwachstums sorgen. Für 2017 gehe KfW Research weiterhin von einem deutschen BIP-Zuwachs in Höhe von 1,8 % aus.
 
Das starke erste Quartal 2016 überzeichne witterungsbedingt die konjunkturelle Grundtendenz. Aufgrund des zu warmen Winters habe der Bausektor weit über das saisonübliche Maß hinaus Aufträge abarbeiten können, wie die sehr kräftige Belebung der Bauinvestitionen zeige. Diese vorgezogenen Bauprojekte fehlten im nun laufenden zweiten Quartal, was für eine entsprechende Gegenbewegung sorge. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze seien nach deutlichen Monatsrückgängen im März zudem von einer vergleichsweise niedrigen Basis in den Frühling gestartet. Alles in allem werde die deutsche Wirtschaft deshalb im zweiten Quartal voraussichtlich nur um rund ein Viertelprozent wachsen. Doch schon für die zweite Jahreshälfte erwarte KfW Research ein spürbares Anziehen der Dynamik: bis Ende 2017 seien Quartalszuwachstraten von durchschnittlich gut einem halben Prozent drin.
 
„Alle Zutaten für eine Fortsetzung des soliden deutschen Aufschwungs sind vorhanden: Zur verlässlich guten Inlandsnachfrage wird sich nach und nach eine Aufhellung des außenwirtschaftlichen Umfelds gesellen,“ sagte Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.
 
Im Inland profitierten privater Konsum und Wohnungsbau weiter von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt, steigenden Realeinkommen und niedrigen Zinsen. Zudem wirke die Fiskalpolitik expansiv, z.B. über Entlastungen für die Einkommensteuerzahler, Rentenerhöhungen, die geplante Ausweitung staatlicher Investitionen sowie höhere öffentliche Konsumausgaben unter anderem wegen der Flüchtlingszuwanderung. Dank des höchsten Staatsüberschusses seit mehr als vier Jahrzehnten im vergangenen Jahr sei trotz dieser Entlastungen und Mehrausgaben in diesem und den kommenden Jahren weiterhin ein in etwa ausgeglichener Staatshaushalt möglich.
 
Zugleich dürfte das globale Wachstumstempo perspektivisch einen Gang zulegen. Das aktuelle Konjunkturbild in den Entwicklungs- und Schwellenländern werde von einer schwächelnden chinesischen Wirtschaft sowie den Rezessionen in Russland und Brasilien geprägt. Dies überdecke, dass es in vielen kleineren Ländern bereits in diesem Jahr wieder aufwärts gehe. KfW Research gehe davon aus, dass sich die Schwergewichte 2017 zumindest stabilisieren und sich dann auch das Weltwirtschaftswachstum beschleunige. Davon würden die deutschen Exporte profitieren – und bei höherer Kapazitätsauslastung auch die deutschen Unternehmensinvestitionen.
 
Zeuner schränkte allerdings ein: „Eine notwendige Bedingung für meinen Konjunkturoptimismus ist, dass sich die Briten am 23. Juni für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union entscheiden. Sollte es zu einem ‚Brexit‘ kommen, erwarte ich nicht nur eine erhebliche Verunsicherung der Unternehmen über das zukünftige Verhältnis zu Deutschlands drittwichtigstem Exportpartner – allein das wäre Gift für die Investitionen. Auch erneute Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten schließe ich für diesen Fall nicht aus. Das deutsche Realwachstum würde unter diesen Vorzeichen 2016 und vor allem 2017 spürbar geringer ausfallen als von uns prognostiziert.“ Weitere Abwärtsrisiken seien unerwartete Rückschläge im globalen Umbau- und Erholungsprozess der Schwellenländer sowie wieder aufwallende politische Kontroversen in Europa, etwa wegen des Flüchtlingszustroms oder ungünstiger Entwicklungen in den Reformländern.

Quelle: KfW Bankengruppe

Den aktuellen Konjunkturkompass finden Sie hier.