06.02.2019

KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Pessimismus springt auf Mittelstand über

News der KfW Bankengruppe

Laut KfW-ifo-Mittelstandsbarometer für Januar 2019 sorgt sich der deutsche Mittelstand zunehmend um die konjunkturelle Entwicklung: Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen gibt im Januar um deutliche 3,0 Zähler auf 8,3 Saldenpunkte nach.

Ursächlich für den Rückgang sei ausschließlich der erheblich trübere Blick der Mittelständler auf das vorausliegende Halbjahr: Ihre Geschäftserwartungen fielen um kräftige 5,5 Zähler und rutschten mit nun -6,9 Saldenpunkten tiefer unter die Nulllinie, die für den langfristigen Durchschnitt stehe. Mit der aktuellen Geschäftslage hingegen seien die kleinen und mittleren Unternehmen weiter überaus zufrieden. Ihr Lageindikator halte sich unverändert bei ausgezeichneten 25,1 Saldenpunkten und damit auf dem bereits vor rund anderthalb Jahren erklommenen Hochplateau.

Noch ausgeprägter seien die Konjunktursorgen zurzeit allerdings in den Großunternehmen, wo die Stimmung zu Jahresbeginn regelrecht kollabiere: Ihr Geschäftsklima verliere 5,6 Zähler auf nun nur noch 0,6 Saldenpunkte – die aktuelle Stimmung sei also kaum noch besser als im langfristigen Durchschnitt. Die Geschäftslageurteile der großen Firmen verschlechterten sich dabei vergleichsweise moderat um 2,7 Zähler auf 12,3 Saldenpunkte. Ihre Erwartungen jedoch stürzten mit -8,0 Zählern auf jetzt -10,1 Saldenpunkte geradezu ab.

Die maßgeblichen Konjunktursorgen kämen – auch das zeigt das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer sehr klar – aus dem internationalen Umfeld. Die zunehmende Sorge um einen „no-deal Brexit“ nach der unerwartet deutlichen Ablehnung des mühsam mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrags durch das britische Parlament sei dabei bei weitem nicht der einzige, zurzeit aber wohl der prominenteste Faktor. Großbritannien sei das Ziel von gut sechs Prozent der deutschen Exporte und damit Deutschlands fünftwichtigster ausländischer Markt. Doch auch die konjunkturellen Aussichten in China und den USA seien zunehmend unsicher und die Spannungen in den globalen Handelsbeziehungen nicht vom Tisch. Der Pessimismus, der die großen exportorientierten Unternehmen schon länger präge, springe nun auf die Mittelständler über.

Im Januar zeige das lange durchweg positive Branchenbild mit überdurchschnittlichen Geschäftsklimaresultaten in allen Hauptwirtschaftsbereichen und Größenklassen folglich erhebliche Kratzer. Besonders deutlich seien die Rückgänge beim Verarbeitenden Gewerbe und Großhandel, die beide stark in die globale Wirtschaft integriert seien und internationale Belastungen deshalb besonders intensiv spürten. Bei den großen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes und des Großhandels falle das Geschäftsklima klar in den negativen Bereich. Aber auch die Mittelständler dieser beiden Wirtschaftssegmente meldeten deutliche Rückgänge des Geschäftsklimas. Zudem verfestige sich die negative Stimmungstendenz bei den großen Einzelhändlern, unter denen sich vergleichsweise viele Autohändler befänden - ein Indiz, dass die Folgeprobleme der Einführung des neuen Abgasteststandards WLTP zum 1. September vergangenen Jahres doch zäher sein könnten als ursprünglich gedacht. Der Rückgang des Geschäftsklimas bei den Baufirmen beider Größenklassen hingegen dürfte in der außergewöhnlich kalten Winterwitterung begründet und vorübergehend sein.

„Die Januar-Ergebnisse des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers sind ein deutliches Warnsignal. Positiv stechen einzig die stabil guten Geschäftslageurteile des Mittelstands hervor“, sage Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Die mehrheitlich stark auf den heimischen Markt ausgerichteten kleinen und mittleren Unternehmen profitierten dabei von der wachsenden Beschäftigung, steigenden Reallöhnen, niedrigen Zinsen und einer expansiven Fiskalpolitik. „Diese weiterhin sehr soliden Rahmenbedingungen für die Binnennachfrage sollten verhindern, dass das deutsche Wachstum 2019 vollständig zum Stillstand kommt. Allerdings schaltet die Konjunktur zwei Gänge zurück, das deutsche Realwachstum dürfte sich im Gesamtjahr 2019 in der Nähe der Ein-Prozent-Marke bewegen“, so Zeuner.

Quelle: KfW Bankengruppe

Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer Januar 2019 finden Sie hier.