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01.02.2018

Unternehmensnachfolge - Unternehmer und Politik sind gefordert

News des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

Nach Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern (IHKs) begeben sich schon demografisch bedingt immer mehr Alt-Inhaber auf die Suche nach einem Nachfolger, während sich immer weniger Interessenten für eine Betriebsübernahme finden. Wenn hier nicht die Bedingungen deutlich verbessert werden, verkehrt sich Deutschlands großer Standortvorteil - nämlich der von Familienunternehmen geprägte Mittelstand - ins Gegenteil.

Union und SPD wollten „Strukturen schaffen, die Neugründer und Nachfolger in der Start- und Übergangsphase unterstützen“ – so stehe es im Sondierungspapier der möglichen Koalitionäre. „Problem erkannt!“, könne man da nur sagen. Gut, dass nicht nur das Gründen, sondern auch die Übernahme von Unternehmen unterstützt werden solle. Hier habe Deutschland großes Potenzial.

Immer mehr Unternehmer erreichten das Ruhestandsalter. Gleichzeitig dünnten die Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen aus, denen grundsätzlich die meisten unternehmerisch Interessierten angehörten. Oft finde sich selbst bei guter wirtschaftlicher Lage kein Übernehmer, so die Erfahrungen der IHKs. 2016 hätten insgesamt 6.654 Alt-Inhaber das Beratungsangebot ihrer IHK genutzt – ein Rekordwert. Knapp 3.000 davon fänden keinen passenden Nachfolger – auch das sei ein Höchstwert. Schon seit 2014 verzeichneten die IHKs mehr suchende Alt-Eigentümer als Übernahmeinteressenten.

Im Mittelstand steige das Bewusstsein dafür, sich rechtzeitig der Herausforderung zu stellen. Das zeige sich bei einschlägigen Informationsveranstaltungen der IHKs, die erneut mehr als 20.000 Alt-Inhaber und Übernahmeinteressenten angelockt hätten. Die Beratungen würden Früchte tragen: Erstmals hätten über 30 Prozent der Senior-Chefs alle wichtigen Dokumente und Vollmachten griffbereit zusammengestellt. Allerdings bleibe noch viel Arbeit: Mit 68 Prozent sei der Anteil derjenigen ohne einen sogenannten „Notfallkoffer“ noch immer sehr hoch. Auch in anderen Bereichen gebe es Schwierigkeiten: Gut einem Drittel der Alt-Inhaber falle es schwer, „emotional loszulassen“. Auch deshalb rieten die IHKs 41 Prozent der Senior-Unternehmer, mit einer realistischeren marktorientierten Kaufpreisvorstellung in die Verhandlungen mit dem möglichen Nachfolger zu gehen. Bei 42 Prozent wäre laut IHKs unterstützende Beratung schon zu einem viel früheren Zeitpunkt angebracht gewesen. Zu oft würden Modernisierungsinvestitionen auf die lange Bank geschoben, etwa beim Thema Digitalisierung. Das schmälere besonders in Industrie, Gastgewerbe und Handel die Attraktivität des Unternehmens.

Einerseits preise die Politik den stabilen Mix unterschiedlichster Unternehmen in Deutschland, andererseits geschehe zu wenig, um diese Strukturen auch in der Zukunft zu sichern. Laut DIHK-Befragung sei der Anteil potenzieller Übernehmer, die wegen der Erbschaftsteuer Probleme sähen, deutlich gestiegen. Viele potenzielle Nachfolger erwarteten durch die Reform höhere Belastungen. Verunsichernd wirke zudem, dass in der Praxis viele Anwendungsfragen noch nicht beantwortet seien. Die nächste Bundesregierung sollte mit der noch ausstehenden Richtlinie für Klarheit sorgen. Die Finanzverwaltungen seien dann bei der Umsetzung gefordert, die Übernahmen mittelstandsfreundlich zu ermöglichen. Ohnehin sei Bürokratieabbau ein wichtiger Ansatzpunkt. Helfen würde etwa, die Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen von zehn auf fünf Jahre zu verkürzen. Letztlich gelte: Je einfacher ein potenzieller Nachfolger einsteigen kann, desto eher lassen sich auch Kandidaten für die Übernahme finden.

Quelle: DIHK

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