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06.03.2017

Konjunkturprognose der privaten Banken - Wirtschaftliche Lage: Zwischen Hoffen und Bangen

News des Bundesverbands deutscher Banken (BdB)

In der gemeinsamen Frühjahrskonjunkturprognose prognostizieren die Chefvolkswirte der privaten Banken in diesem wie im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum, dessen jährliche Grunddynamik mit etwa 1,7 Prozent mehr oder weniger auf dem Niveau der vergangenen beiden Jahre liegen wird.

„Von den Konjunkturindikatoren weltweit kommen derzeit positive Signale“, erklärte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. „Doch wir dürfen uns nichts vormachen: Die ohnehin schon hohen Risiken für die Weltwirtschaft sind in den letzten Monaten weiter gestiegen. Vor allem der weltweit wachsende Nationalismus sowie die zunehmenden protektionistischen Tendenzen könnten eskalieren und dann die Weltwirtschaft empfindlich beeinträchtigen.“

Wirtschaftspolitisch sei es nun wichtig, gemeinsam mit anderen Handelsnationen entschieden auf die Nachteile einer protektionistischen Politik hinzuweisen. „Internationaler Handel ist kein Nullsummenspiel. Wer glaubt, mit politischem Druck Vorteile für das eigene Land auf Kosten der Handelspartner erzielen zu können, wird damit früher oder später scheitern. Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme lassen sich nicht rückwärtsgewandt lösen“, so Kemmer.

Große kommunikative Herausforderungen sehe der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die außerordentlich starken geldpolitischen Impulse der EZB seien angesichts des Wirtschaftswachstums und der Preisperspektiven nicht mehr nötig. Kemmer: „Das gilt erst recht, da von der ultra-expansiven Geldpolitik kaum noch positive Konjunktureffekte zu erwarten sind und die Risiken und Nebenwirkungen deutlich zunehmen.“ Der Gefahr, dass eine weniger expansive Geldpolitik zu einer Überreaktion bei den Kapitalmarktzinsen führt, sollte die EZB mit einer gut vorbereiteten und überzeugenden Kommunikationsstrategie begegnen. „Wird die Ausstiegsdebatte von der EZB hingegen weiterhin zum Tabu erklärt, wächst das Risiko, dass die Kapitalmarktzinsen in einigen Monaten erst recht kräftig steigen“, bekräftigte Kemmer.

Mit Blick auf die Wirtschaftspolitik in Deutschland äußerten sich die privaten Banken skeptisch zu den jüngsten Vorschlägen, die Reformen der Agenda 2010 weiter zurückdrehen zu wollen. So sei eine längere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes nicht dazu geeignet, die inzwischen auch hierzulande entbrannte Debatte um vermeintliche Globalisierungsverlierer und unerwünschte Verteilungsergebnisse zu entschärfen. Gerade ein längerer Arbeitslosengeldbezug für ältere Menschen könnte zu einer Art Frühverrentungsprogramm werden, das für die Beitragszahler sehr teuer wäre und den Fachkräftemangel der Unternehmen vergrößern würde.

Die besonders großen wirtschaftspolitischen Herausforderungen lägen laut Kemmer in Deutschland vor allem auf zwei Feldern: „Erstens gilt es, die Investitionstätigkeit in Deutschland nachhaltig zu stärken, und zweitens die inzwischen auch von mehreren internationalen Institutionen kritisierte Unwucht bei der Chancengleichheit in Deutschland anzugehen. Wer das verbessern will, muss den Fokus eindeutig auf die Bildung legen.“ Gerade in dem nun beginnenden Bundestags-Wahlkampf seien die politischen Parteien aufgerufen, Lösungsvorschläge für diese Herausforderungen zu präsentieren und bei den Wählern um ihren jeweiligen Ansatz zu werben.

Quelle: BdB

Die vollständige Meldung und die Konjunkturprognose finden Sie hier.